Hubert von Goisern
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FLÜCHTIG

Flüchtig - ein Roman

Flüchtig - Hubert AchleitnerFlüchtig ist der erste Roman aus der Feder von Hubert Achleitner, vielen besser bekannt als der Musiker Hubert von Goisern. Das Buch erscheint am 27. April 2020 bei Zsolnay.

Maria ist verschwunden. Seit Monaten hat Herwig, mit dem sie seit fast dreißig Jahren verheiratet ist, nichts von ihr gehört. Dass sie ihren Job gekündigt und seinen Volvo mitgenommen hat, lässt zumindest hoffen, dass sie noch am Leben ist. Doch was ist passiert, mit ihrer Ehe, ihrer Liebe, ihrem gemeinsamen Leben?

Hubert Achleitner schickt seine Protagonisten auf eine abenteuerliche Reise, die sie von den österreichischen Bergen quer durch Europa bis nach Griechenland führt. Und die für beide doch in erster Linie eine hochemotionale Reise in ihr Inneres bedeutet.

Ein weiser und sehr musikalischer Roman über Liebe und Sehnsucht, das Schicksal und das flüchtige Glück … "Flüchtig wie die angezupften Töne der Bouzouki waren die Begegnungen mit diesen Menschen. Dennoch hinterließ jeder von ihnen eine Melodie in meinem Herzen, die weiterschwingt."

Hörbuch

Lakonisch, musikalisch und mit Witz erzählt Hubert Achleitner eine große Geschichte. Das Roman-Debüt des Weltmusikers Hubert von Goisern wird auch als Hörbuch erhältlich sein.

Die ungekürzte Lesung von Schauspielerin Caroline Peters erscheint auf 8 CDs mit ca. 10 Stunden Laufzeit sowie als digitales Hörbuch zum Download und zum Streamen bei Random House.

Flüchtig von Hubert Achleitner erscheint am 27. April 2020
Gebundene Ausgabe: ISBN 978-3-552-05972-6
E-Book: ISBN 978-3-552-05957-3 | Hörbuch: ISBN 978-3-8371-5125-1
Jetzt vorbestellen: Amazon | Zsolnay | Random House


5 Fragen an … Hubert Achleitner

Maria und Herwig sind die beiden wichtigsten Protagonisten Ihres Romans Flüchtig, wann und wie ist das Paar bei Ihnen aufgetaucht?

Die erste Idee hatte ich vor etwa fünfzehn Jahren. Im Mittelpunkt sollte eine Frau stehen, die ihren Mann verlässt – ohne Erklärung bei der Tür hinausgeht und nicht mehr wiederkommt. Sowie ein Mann, der sich auf die Suche nach ihr und nach dem Grund ihres rätselhaften Verschwindens begibt. Sie sollten beide eine Reise machen und Grenzen überschreiten müssen.

Reisen, fremde Welten, andere Perspektiven und verschiedene Glaubensrichtungen verändern sowohl Maria als auch Herwig und die Menschen rund um sie herum. Gibt es Punkte im Leben, an denen man sich umsehen muss?

Der überwiegende Teil unseres Lebens läuft, entsprechend dem Bild, das wir von uns und der Welt mit herumtragen, auf den Schienen äußerer Notwendigkeiten. Es gibt jedoch immer wieder Wendepunkte, Wegkreuzungen, Weichenstellungen … Ob man diese ergreift oder ignoriert, hängt von der Bereitschaft ab, seiner Intuition zu folgen und sich dem Risiko des Unbekannten auszusetzen.

Ihr Roman ist zu großen Teilen aus der weiblichen Perspektive erzählt. Wie kam es dazu?

Ich fand es einerseits die größere Herausforderung und es hat mir auch geholfen, mich in eine andere Person hineinzuversetzen.

Wie sind Sie vom Komponieren und Musizieren zum Schreiben gekommen?

Den Wunsch, mich an Belletristik zu versuchen, hatte ich schon lange. Dass es so lange gedauert hat, ist allein der Musik geschuldet. Immer wieder haben sich musikalische Abenteuer hinein- und vorgedrängt. Bis ich vor zwei Jahren alle Musikinstrumente weggeräumt und aus meinem Blickfeld verbannt habe.

Wie fühlt sich so ein Debüt als Schriftsteller für jemanden an, der schon einen so langen und künstlerisch sehr erfolgreichen Weg gegangen ist wie Sie?

Es fühlt sich immer gut an, wenn es einem gelungen ist, etwas, das man sich vorgenommen hat, umzusetzen. 2010 ist mein erstes Buch Stromlinien erschienen, das Logbuch meiner Reise mit einem zur Bühne umgebauten Frachtkahn quer durch Europa. Während ich Stromlinien geschrieben habe, habe ich oft damit gehadert, immer bei den Tatsachen bleiben zu müssen. Fiktion wäre viel einfacher, so dachte ich jedenfalls. Die Arbeit an diesem Roman hat mich eines Besseren belehrt. Lustvoller war sie aber auf jeden Fall.

"Weitergehen!"

Die Furche 23. Oktober 2019 | Text: Doris Helmberger-Fleckl und Brigitte Quint

Hubert Achleitner alias von Goisern über das Reisen, die Zeit, die es braucht
– und warum das Fremde oft näher liegt, als man denkt.

Gerade hat Liedermacher Hubert von Goisern seinen ersten Roman flüchtig zu Ende geschrieben (erscheint im April 2020). Über den Inhalt verrät er nur so viel: Es geht um das Reisen, vor allem zu sich selbst. Zu Beginn des Interviews zieht er seinen schwarzen Anorak an und verlegt das Gespräch nach draußen - auf die Terrasse eines Linzer Hotels mit direktem Blick auf die Donau. Hubert Achleitner, so der Geburtsname des Künstlers, fühlt sich gestört von der Hintergrundmusik im Frühstücksraum. Die Dauerbeschallung, sagt er, hindere ihn am Nachdenken.

Südafrika, Philippinen, Nepal, Senegal, Grönland – Sie sind viel herumgekommen in der Welt. Nicht nur als ordinärer Tourist. Oft haben Sie sich für Monate oder Jahre niedergelassen. Warum sind Sie immer wieder weggegangen von daheim?

Um mich neu zu finden und zu erfinden. Das ist ganz schwer in einer Umgebung, in der einen alle kennen. Denn die Leut' projizieren etwas in dich hinein. Und zwar das, was sie in einem sehen wollen. Dagegen kann man sich an einem Ort, an dem einen keiner kennt, häuten.

Warum wollten Sie denn unbedingt ein anderer werden?

Ich will nicht als der sterben, als der ich geboren wurde. Ich finde mich jedenfalls verbesserungsfähig. Vom Kern her natürlich, da bleibt man derselbe. Aber ich will nicht stehenbleiben. Die Zeit anzuhalten, das ist auf Dauer ja fad. Erfahrungen sammeln, Sachen ausprobieren und dann vielleicht auch merken, dass es eh nicht passt für einen, auch darum geht es.

Der Körper muss sich physisch wegbewegen, damit das Innerste zum Vorschein kommt?

Der Geist ist mit dem Körper ja verbunden – jedenfalls solange wir atmen. Es geht aber nicht nur ums Innerste, sondern auch ums Äußerste. Um das, was hinter den Grenzen meiner Vorstellungskraft liegt. Reisen gibt dazu Gelegenheit.

Muss man sich in der Fremde nicht auch erklären und von sich erzählen?

Wohl wahr, und in solchen Situationen lernt man sich selbst am besten kennen. Auf den Philippinen wurde ich einmal gebeten, ein paar Lieder zu singen. Und was habe ich ausgesucht? Vor allem Volks- und Kinderlieder aus dem Salzkammergut. Ich hatte das Gefühl, diese Melodien würden etwas von mir erzählen. Um zu spüren, was Heimat ist, war es für mich notwendig, wegzugehen.

Welche Definition von Heimat haben Sie für sich gefunden?

21 Jahre lang war das der Ort, an dem ich aufgewachsen bin. Also Goisern. In der Zwischenzeit habe ich aber mehr Orte, an denen ich mich daheim fühle. Salzburg, Wien. Aber auch, wenn ich nach Grönland oder auf die Philippinen komme, ist es ein nach Hause kommen.

Durch das Weggehen von daheim haben Sie also Heimaten gefunden. Heimat im Plural, geht das?

Heimkommen ist kein passives, sondern ein aktives Gefühl. Heimat ist da, wo ich mich einfühle und einbringe. Das sind jene Orte und Menschen, wo sich beim Abschiednehmen und Wegfahren Wehmut einstellt. Heimaten ändern sich auch, manche verblassen, andere verklären sich.

Sich selbst finden, sich verorten – worum geht es für Sie noch beim Reisen?

Um das Lernen durch die Begegnung und die Auseinandersetzung mit dem Unbekannten.

Einer Ihrer größten Hits heißt Heast as nit, wia die Zeit vergeht. Welche Rolle spielt die Zeit auf Ihren Reisen?

Am liebsten wäre es mir, sie würde gar keine Rolle spielen. Die perfekte Reise wäre eine Reise ohne Zeitdruck und ohne Ziel. Es gibt ja den schönen Spruch: Das Ziel ist im Weg! Dieser Anspruch ans Reisen lässt sich aber sehr schwer umsetzen. Für mich jedenfalls. Leider. Am ehesten gelingt mir das beim Schwammerlsuchen. Da ist zwar auch das Ziel, den Pilz zu finden, aber das "Sich-Treiben-Lassen" gelingt dort schon.

Das berühmte "im Hier und Jetzt leben" – geht es Ihnen darum?

Im Leben ist es wichtig das zu sehen, was im Augenblick da ist. Dann hält man inne – und geht irgendwann weiter. Auch darauf kommt es an: Auf das Weitergehen!

Ein Plädoyer fürs Weitergehen und gegen das Stehenbleiben?

Ja, obwohl es zweiteres auch manchmal braucht. Aber irgendwann musst du doch wieder einen Schritt machen. Auf diesen einen Schritt kommt es an. Es ist besser, einen Schritt in die falsche Richtung zu machen, als gar keinen. Denn dann kann man immer noch die Richtung ändern. Aber wenn du stehen bleibst, dann bleibt es so, wie es ist. Wenn du damit zufrieden bist, ist es okay. Ich allerdings brauche den Kick des Neuen. Wenn ich dreimal dasselbe mache, macht mich das unzufrieden.

Das Wort "Schritt" steckt ja auch in den Worten "Fortschritt" oder "Rückschritt". Wie schaut man als Weltenbummler, wie Sie es sind, auf diese Begrifflichkeiten oder die Bedeutung dahinter?

Fortschreiten ist es auch, wenn du zurückgehst. Wir gehen ja nicht rückwärts. Wir drehen uns um und gehen in die andere Richtung. Ich selber mag gerne an die Quelle von etwas kommen. Die Suche nach dem Ursprung ist das, was mich antreibt. Nehmen wir die Volksmusik. Irgendwann sind die ersten zwei, drei Töne entstanden. Welche auch immer. Und dann haben die Leute etwas daraus gemacht. Da möchte ich anknüpfen.

Gleichzeitig haben Sie als Musiker genau an dieser Stelle immer wieder einen Bruch provoziert. Auch durch Ihre Texte.

Habe ich das? Die einen nehmen halt immer das gleiche Haferl und ich manchmal einen Krug, den ich von einer Reise mitgebracht habe.

Manche würden das jetzt als "Fortschritt" oder auf neudeutsch "Innovation" bezeichnen.

Wenn es irgendetwas gibt, was ich am Fortschritt positiv finde, dann ist es das, dass man mehr Weite in den Geist hineinkriegt. Dass ein größeres Bewusstsein für die Zusammenhänge entsteht. Die Klimadebatte ist so ein Beispiel.

Zurück zum Reisen. Wann stoßen Sie an Ihre persönliche Grenze?

Da, wo ich meine Komfortzone verlasse. Wenn ich meine Blase verlasse, dann wird es anstrengend, aber auch spannend. Denn wurscht, ob ich in Österreich, in Amerika oder in Grönland bin – eigentlich bewege ich mich immer in einem Milieu, das mit mir harmoniert. Ich suche und treffe überall Gleichgefiederte. Aber interessieren tun sie mich schon, jene, die einen anderen Film rennen haben.

Und wo rennt dieser andere Film?

Überall. Die andere Welt, das Fremde, ist im Grunde auch ganz nah. Manchmal vor der Haustüre. Die spannendste Reise geht zu denen, von denen man denkt, dass sie einen Vogel haben.