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ZEITEN & ZEICHEN

Unter dem Eisbären schmilzt uns der Boden weg

Salzburger Nachrichten 3. November 2022 | Text: Bernhard Flieher

Nach 71 Konzerten beendete Hubert von Goisern am Mittwoch seine "Zeiten & Zeichen"-Tournee mit einem Heimspiel - jedenfalls geografisch und thematisch. Musikalisch weitete er dabei den Horizont mehr denn je.

Das Große Festspielhaus ist kein Tanzlokal. Dazu stehen die Sitzreihen zu eng. Zum Mittanzen entwickelt dieser Abend über weite Strecken aber auch einen viel zu ernsthaften Charakter. Es braucht also am Ende die eindeutige Aufmunterung durch die Band, damit das Publikum dann doch aufsteht. Hinein in die Euphorie um den Song Brenna tuats guat, den größten Hit in der Karriere von Hubert von Goisern neben Koa Hiatamadl. Dass da dann zu Kapitalismuskritik im Kunsttempel getanzt wird, ist kein Widerspruch. Eher ist es ein Sinnbild für einen großen Teil eines fulminanten Abends, und so für die Ambivalenz, die der Goiserer in seiner Musik von jeher formuliert. "Wer nu nia wen gern g'habt hat, der war nu nia allein ... es ist nix g'logn, was ned a wahr is", sang er vor vielen Jahren. Oder an diesem Abend im Festspielhaus, dem letzten Auftritt der heurigen Tournee: Apokalypse und Poesiealbum, Vorahnung und bittere Gewissheiten, Dada-Humor mit Weltanklage und Liebeslied zum Schmelzen.

Genau 30 Jahre ist es her, dass das "Hiatamadl" in die Charts eingestiegen war

Das Publikum war vor dem späten Aufstehen nicht aus Langeweile gut zwei Stunden gesessen, sondern aus Konzentration, manchmal wohl auch, weil es aus Überraschung in die Sessel gedrückt wurde. Der Goiserer spielt zunächst - also knapp zwei Stunden - Songs des neuen, oder besser: seines bisher letzten, Albums. Zeiten & Zeichen heißt es, denn erschienen war es schon vor gut zwei Jahren. Aber dann: Corona und alles war anders und vieles musste verschoben werden. Und zig Verschiebungen auch dieses Konzerts sorgten dann wohl auch für das kleine bisschen Aufregung wegen organisatorischer Mängel. Mit 20 Minuten Verspätung geht es los, weil einige Plätze offenbar doppelt vergeben wurden.

Dann steht Hubert von Goisern auf der Bühne bei diesem Heimspiel. In ein paar Tagen wird er 70. Und 30 Jahre ist es her, dass das Hiatamadl am 8. November 1992 in die Charts eingestiegen war. Im Frühjahr und Herbst 1992 hatte der Goiserer damals in kleinen Turnhallen etwa in Rußbach oder Kuchl gespielt. Veranstalter von damals, quasi frühe Entdecker, waren auch dieses Mal dabei. Im Herbst 1992 hatte begonnen, was sich zu einer der erstaunlichsten Musikerkarrieren in diesem Land entwickelt hat. Was auch maßgeblich daran liegt, dass dieser Mann stets das Neue und Frische sucht, dass er sich herausfordert und mit ihm auch sein Publikum.

Hubert von Goisern: Zwischen Opernhaftigkeit und klarem Rock, zwischen Ziehharmonika und Electronic

Freilich wird es am Ende nach fast drei Stunden im Festspielhaus andächtig melancholisch, wenn die 30 Jahre alten All-Time-Hits Weit, weit weg und Heast as nit erklingen. Da kann sich ein durchwegs älteres, mitgewachsenes Publikum wohlig in Erinnerungen üben. Vorher aber wird deutlicher denn je, dass sich dieser Mann nicht auf einen Weg festlegen lässt, dass das Schlagen von Haken zwischen Opernhaftigkeit und klarem Rock, zwischen Ziehharmonika und Electronic, ihn über die Jahrzehnte interessant und wach bleiben ließ, dass er seinen Horizont stets weitet.

Da tanzt dann also etwa ein Eisbär zu einem Calypsosound und braucht - so der Songtitel - Eiweiß. Heiß und kalt zugleich. So eine Geschichte könnte in einem herrlichen Antiwitz enden. Beschwingt und hitzig perlte die Melodie. Man könnte das - so wie später auch die Geschichte eines Grönlandhais auf der Suche nach der Liebe - als eigenartigen Humor abtun. So wie Hubert von Goisern und seine Band aber durch die dadaistische Geschichte vom Eisbären, der um jeden Preis Eiweiß braucht, huschen, bleibt der Spaß bloß die äußere Hülle. Der Goiserer macht das Eis, auf dem die Bären (und also wir mit ihnen) tanzen, zu einem doppelten Boden. Und dieser Boden schmilzt uns als Lebensgrundlage schneller, als uns guttut, weg. Nicht gelogen, wirklich wahr.

Gesellschaftliche Konsequenzen in einem Klima der Spaltung werden zum Thema

Ein paar Songs später stürzt sich die fabelhafte Band in eine aufwühlende Interpretation des Songs Sinnerman von Nina Simone. Sünder heißt das bei Hubert von Goisern. Und es wird eine Abrechnung mit eh allem zu einem betörend intensiven Sound. "Power" ruft die Band ein paar Mal während des Songs - Anklage und Aufstachelung. In diesem Song wird klar: Da muss nichts mehr schmelzen, denn längst ist jede Fassade durchschaut und ein Blick freigelegt auf den Irrsinn der Lügner und Weltkaputtmacher. "Wohin werd' ma renna am letzten Tag?", singt der Goiserer. Tanz die Apokalypse quasi. Er reitet dann auch gegen den Braunen Reiter oder mit Novemberpferden, der eine als politische Bedrohung, die anderen einem Poesiealbum entsprungen, in dem die Sehnsucht nach Ruhe beschworen wird. Und es werden gesellschaftliche Konsequenzen in einem Klima der Spaltung zum Thema. In Meiner Seel steht der Erzähler ungläubig vor der Relativierung und Verleugnung von Fakten und wissenschaftlichen Erkenntnissen. "Ich hatte mir da kein bestimmtes Motto vorgenommen, im Unterschied zu manchen früheren Projekten. Ich hatte irgendwann 40 Ideen und dann bin ich ins Studio gegangen und habe dran gearbeitet. Ich wollte mir keine Schranken auferlegen", sagte der Goiserer in einem Interview über die neuen Songs.

Auch beim 71. Konzert herrscht eine Einheit mit dem Publikum

Maßgeblichen Anteil, dass bei dieser Vielschichtigkeit nichts aus dem Ruder läuft, sondern dass Song für Song eine neue Welt aufgeht, hat dabei die Band: Helmut Schartlmüller, Alex Pohn, Severin Trogbacher, Alex Trebo und das ehemalige Ganes-Mitglied Maria Moling. Bis auf Trebo spielen sie alle schon seit den späten 2000er-Jahren mit dem Goiserer. Nach 71 so gut wie immer ausverkauften Konzerten in diesem Jahr werden sie das auch im kommenden Jahr tun - 15 neue Konzerttermine wurden kürzlich angekündigt. Als Special Guests kommen im Festspielhaus Geigerin Lidia Baich und Bassist Georg Breinschmid auf die Bühne.

Die Konzentration des Publikums bleibt die ganze Zeit über hoch. Und thematisch sind der Goiserer und sein Publikum - vergleichbar dem beim Kabarett - ohnehin schon immer eine Einheit. Wer wäre denn nicht gegen gefährliche Verdummung und bedrohliche Erderwärmung? Wen freute es nicht, wenn die eigenen politischen Grundfesten, aber auch der sehnsüchtige Wunsch nach so etwas wie Liebe von dem da oben auf der Bühne mit enormem Drive und abwechslungsreichen Rhythmen gestützt würden?

Das Ende und die Untiefen einer Welt, wie wir sie kennen

Einer Katharsis gleich und zugleich als abrundendes Statement des kritischen Grundtons kommt dann die Tanzaufforderung Brenna tuats guat daher - auf das Konzert bezogen ist der Song als Abschluss vor den Zugaben der Anfang vom Ende. Aber eben nicht nur auf das Konzert bezogen. Wer genau hinhört, hört an diesem Abend in vielen Songs das Ende und die Untiefen einer Welt, wie wir sie kennen. Dieser akkurate Blick auf Verwerfungen und Verwundung des Daseins, des ganz persönlichen, aber eben auch des gesellschaftlichen, kam musikalisch mit einer bestens eingespielten Band nie stärker und thematisch kaum je reifer und tiefgründiger, raffinierter, absurd witziger und stilistisch vielfältiger zum Vorschein. Das war auch bei meist explizit politischen, treffsicheren Ansagen zwischen den Songs so. Die Welt ist eine Angriffsfläche und kein Tanzlokal. In El Ektro, einem der neuen Songs, der sich als schleifender Electrosound ausbreitet und ironisch Stromstöße austeilt, hatte der Goiserer ohnehin früh an diesem Abend bekannt: "Ich will nicht tanzen." Das mag für die Beine gelten an diesem Abend. Im Kopf hingegen dreht sich vieles, was diese Welt im Moment bewegt.

Hubert von Goisern begeistert bei seinem Konzert im Burghof Lörrach

Badische Zeitung 30. Oktober 2022 | Text: Martina David-Wenk

Es war ein denkwürdiges Konzert, das Hubert von Goisern am Freitagabend im Burghof gab. Das lag einerseits am langen Vorlauf, dann an der künstlerischen Qualität und schließlich an einem besonderen Vorfall: Mitten im Konzert musste der Saal geräumt werden, weil ein Rauchmelder falschen Alarm gegeben hatte.

Oktober '20, '21 und '22

Was? Hubert von Goisern ist im Burghof in Lörrach? Schon wieder? So mag man denken, weil er schon zweimal groß angekündigt war. Aber tatsächlich auf der Bühne des Burghofs stand er weder 2020 noch 2021. Als sein Auftritt im Rahmen der Tour zum neuen Album im Oktober 2020 in Lörrach geplant war, gab's den ganzen "Wahnsinn" noch nicht, "koan Krieg und koa Pandemie", sagt Hubert Achleitner, der als Hubert von Goisern seit den späten 1990er Jahren traditionelle Volksmusik und Rock- und Elektronische Musik verschmelzen lässt. Sein Publikum ist in dieser Zeit auch nicht jünger geworden. Obwohl, da war die junge Buchhändlerin, 33 Jahre alt, die gerade noch einen Platz hinten oben erwischt hat. Sie strahlt, wie an Weihnachten, wenn alle Mühen hinter einem liegen.

Das Publikum

Einen Dresscode gab es keinen. Obwohl von Goisern auch schon eine eigene Modemarke entworfen hat, ließen die allermeisten ihr Oktoberfest-Outfit im Schrank. Der fesche 70er – Hubert von Goisern ist 1952 geboren – zieht deutlich mehr Frauen als Männer in seinen Bann. Weit, weit weg von mir ist eines der schönsten Liebeslieder der deutschsprachigen Rockmusik. Feuerzeuge haben keine geglüht, es wäre die beste Stimmung gewesen, um diese gen Burghofdecke zu recken. So schön.

Pause

Eigentlich war gar keine Pause vorgesehen in diesem Konzert. Und als kurz nach der Ankündigung eines vertonten Goethe-Gedichts der Bühnenvorhang fiel, entfuhr dem Weltmusiker mit österreichischer Verortung ein erbostes: "Was war denn das jetzt für ein Trottel!" Der Trottel war die Sicherheitsanlage. Selbst als die freundliche Stimme aus dem Off die Zuschauer bat, ihre Plätze unverzüglich wegen Sicherheitsbedenken zu verlassen, glaubte manche einer noch, der Hubert steht jetzt in der Naumann-Pyramide und spielt unplugged. Tat er nicht. Tatsächlich war die Feuerwehr wegen eines Fehlalarms angerückt. Nach einer kurzen Überprüfung der Sachlage ging es weiter.

Neues Album

Zeichen und Zeiten heißt das 2020 erschienene letzte Album. Als es damals veröffentlicht wurde, war Corona noch eine seltsame Lungenkrankheit aus China, Wolodomir Selenskyj war seit einem Jahr frei gewählter Präsident der Ukraine. Hubert von Goisern hatte die Zeichen der Zeit aber schon vorher musikalisch festgehalten. Als sein Alpenrock zu Beginn mit einem bombastischen elektronischen Klanggemälde ein zeitgemäßes Update erfuhr, sehnte sich die ein oder andere Besucherin oder der ein oder andere Besucher nach den Ursprüngen der Alpinkatzen zurück. Nie war sein Stück Heast es nit, wie die Zeit vergeht aktueller und perfekter umgesetzt als mit diesem Einstieg. Ja, die Veränderung der Zeit konnte man hören an diesem Abend.

Der Höhepunkt

Gut, die einen werden die alten Stücke, als Herzensstücke mit nach Hause nehmen, doch als Höhepunkt inszeniert war der Titel Freunde, das Leben ist lebenswert. Es ist die Geschichte der beiden Freunde Fritz Beda-Löhner und Franz Lehar. Fritz schrieb die Texte zu Lehars Operetten, und als Fritz ins KZ kam, hatte es Franz geschehen lassen. Operetten Schwulst und Rap, Heldentenor und Sprechgesang, dazu eine Lichtshow, die zum Menetekel wird. Das Stück wird zur Miniaturoper im Zeitraffer.

Im Mittelpunkt

Klar, der Weltmusiker und Kulturversöhner war selbstverständlich der Mittelpunkt des Abends, doch gleich nach ihm hat Maria Moling die Herzen erobert. Die Percussionistin bespielte ein großes Sortiment an Klangkörpern. Als die Südtirolerin, die jetzt in München lebt, zu jodeln anfing, hielt der ganze Saal den Atem an. Die Technik war nicht ganz unbeteiligt, das machte aber nichts in diesem Moment.

Karibische Klänge aus Grönland

Die Oberbadische 30. Oktober 2022 | Text & Foto: Willi Vogl

Lörrach. Bereits mit dem andächtigen Eröffnungs-Ländler zum Konzertbeginn wird deutlich, dass es dem Österreicher Hubert von Goisern nicht um die nostalgischen Aspekte der Volksmusik seines Landes geht. Vielmehr nutzt er sie als Folie für eigenwillige Transformationen und Kombinationen mit musikalischen Fundstücken, die er sich auf seinen weiten Reisen durch die Welt angeeignet hat.

Bei der Präsentation seines neuen Programms Zeiten & Zeichen am Freitagabend im ausverkauften Burghof wurde er, bestens aufeinander abgestimmt, von seinen Mit-Musikern Severin Trogbacher (Gitarre), Maria Moling (Gesang, Perkussion), Alex Trebo (Keyboards), Helmut Schartlmüller (Bass) und Alex Pohn (Schlagzeug) unterstützt.

Zwangspause wegen Bühnennebel: Alarm

Im Lied A Tag wie heut mit sattem Rocksound und plastischem Gesang zeigt sich von Goisern als Weltbürger, neugierig und offen für Kommunikation mit Menschen unterschiedlichster Prägung. Da heißt es "Wo san die Heiligen, wo san die Sünder ... Füll dein Humpen mit an Bier…setz di her zu mir." El Ektro entpuppt sich als fröhlich bekiffter Song mit der Feststellung "Ich brauche Pflanzen, um mich zu verschanzen!" Dieser Tanz in ein anderes Bewusstsein drückt sich durch elektronisch verfremdete Gesangsstimmen, dem ätherischen Klang eines Theremin und einer von Discoblitzen und Bühnennebel angereicherten Bühnenshow aus.

Der starke Bühnennebel schließlich war Grund für einen automatisch ausgelösten Alarm und einer vom Publikum gelassen hingenommenen Zwangspause im Freien. Laut Einsatzleiter der Feuerwehr machte die Technik das, was sie in diesem Fall sollte.

Unbeirrt davon berichtete Hubert von Goisern nach dem Frischluftintermezzo von der Entstehung seiner Lieder. Da gäbe es zuerst eine Melodie und die Harmonien und erst dann käme der Text hinzu. Als er seiner Frau ein neues Lied testweise vortrug, war ihr Kommentar "schad". Sich dabei einzureden, sie verstünde es halt nicht, half auf Dauer nicht. Er sah Handlungsbedarf und änderte den Text. Heraus kam ein eigenwilliges Liebeslied mit Zeilen wie "Du weißt nicht woher ich komme, du weißt nicht wohin ich geh", oder "Ich bin die Ebbe nicht die Flut".

Ernste Botschaft, ironisch verpackt

Mit einer Geschichte wie dieser wird deutlich, dass sich der Sänger des dünnen Eises bewusst ist, auf dem er als Kreativer wandelt. Um verschwindendes "Eis" und "Eisbären" geht es im Lied Eiweiß. Inspiriert durch seine Reisen in den dünn besiedelten Osten Grönlands fokussiert er sich hier auf die Klimakatastrophe und das damit verbundene Artensterben. Seine Botschaft ist ironisch-witzig verpackt und vom lustvollen Spiel mit verschiedenen musikalischen Weltstilen geprägt. "Wenn ihr denkt, das klingt karibisch, habt ihr recht", stellt er mit Blick auf die Erderwärmung fest.

Ob jazziges Scatten über stabilem eingängigen harmonischen Fundament bei Eiweiß oder schaurig nostalgisches Spiel auf Akkordeon oder Flügelhorn im Balladenton – Hubert von Goisern bleibt sich treu als fantasievoller Liedermacher mit gesellschaftlich relevanten Botschaften.

Damit es wieder so wird, wie's mal war

Mittelbayerische 29. Oktober 2022 | Text: Peter Geiger | Foto: © Tino Lex

Hubert von Goisern verwandelt für zweieinhalb Stunden die Donau-Arena in einen Andachtsraum

Regensburg. Wie sehr die Zeit vergeht – ganz ehrlich: Man sieht es Hubert von Goisern nicht an. Der Oberösterreicher wird bald 70. Und wirkt dabei so agil und ausdauernd wie einer, der mindestens 20 Jahre jünger ist. Vielleicht liegt es ja daran, dass er ein Leben lang angeschwommen ist gegen Strömungen. Denn das, hat er mal gesagt, bringt immerhin Muskeln.

Hier, in der Regensburger Donau-Arena zeigt er sich dementsprechend durchtrainiert. Und macht zum Auftakt klar, wer das Sagen hat. Nämlich nicht eine Minderheitenstimme aus dem Publikum, die – da hat er noch gar nicht richtig erzählen können, dass das aktuelle, im September 2020 erschienene Album Zeiten und Zeichen der Programmschwerpunkt dieses Abends ist – schon lautstark ihren Senf dazugibt. Aber das wird noch mehrfach Thema sein, in den nachfolgenden zweieinhalb Stunden: Freundlichkeit allein bringt Gesellschaften nicht weiter.

Streit bewirkt Fortschritt

Sondern erst Streit und damit verbundene Kämpfe um das eigene Argument sind es, die Fortschritt bewirken. Und dann widmet er einem verstorbenen Freund den Jodler für Willi. Und erzählt damit davon, wie sehr dieser aufging, in der Auseinandersetzung. Aber auch, wie sehr er die kleinsten Lebewesen unserer Welt liebte. Eines dieser Wimpertierchen taufte der Willi – der weltweit der führende Experte war – seinem Diskurspartner Hubert zuliebe "Rigidotrix Goiseri".

Und so schält sich im Laufe dieses extrem kurzweiligen Abends heraus, wie ehrlich es dieser Hubert von Goisern doch mit uns, mit seinem Publikum meint: Er schmiert nicht etwaigen Gabalier-Honig ums Maul. Und er ergeht sich auch nicht in süßlichen Silbereisen'schen Puffreisigkeiten. Sondern nennt die Dinge beim Namen. Fordert mit dem Lied Freunde, das Leben ist lebenswert, jenen Mut ein, den Operettenkönig Franz Lehár nicht hatte, als es darum gegangen wäre, seinen Librettisten Fritz Löhner-Beda vor dem tödlichen Zugriff der Nazis zu schützen.

Und erzeugt gerade deshalb, weil er sein Publikum nicht entmündigt, jenes Gefühl, das in den besten Augenblicken mit Andacht und Hingabe umschrieben werden muss. Schaut man sich um, so wird klar, wie viele hier ziemlich ergriffen sind. Die Augen geschlossen haben. Versonnen mitwippen. Und bereit sind, sich Wahrheiten wie diese anzuhören: Als Zeiten und Zeichen aufgenommen wurde, im Vor-Pandemiejahr 2019 nämlich, da haben alle geschimpft, dass es so nicht weitergehen kann. "Jetzt wünschen sich alle, dass es so wäre, wie's vorher gewesen ist." Mit Sätzen wie diesen und oder einem klaren Statement gegenüber Impfgegnern aktiviert er sein Publikum.

Die musikalische Qualität wird von der des Conférenciers Hubert von Goisern keineswegs in den Schatten gestellt. In Maria Moling, Alex Pohn (Drums), Helmut Schartlmüller (Bass), Alex Trebo (Keyboards) und Severin Trogbacher (Gitarre und Geige) stehen brillante Einzelkönner zur Verfügung.

Sie fügen sich zum Ensemble und gestatten es so, mit El Ektro eine Hommage an Düsseldorf und Chicago (die Brutstätten synthetisch erzeugter Tanzmusik also) brillant und in authentischer Qualität zu formulieren.

Alles aus einem Guss

Ebenso wie die von alpiner oder auch grönländischer Folklore getragenen Jodler, einen Gospel von Nina Simone oder die Collage mit Operetten-Elementen: Das alles ist aus einem Guss. Nicht beliebig, sondern mit Hingabe und Ernsthaftigkeit vorgetragen. "Lasst's Euch nichts gefallen!", verabschiedet sich Hubert von Goisern – und zitiert nicht nur Kurt Ostbahn – sondern mahnt zu jener Resistenz, die Resilienz erst ermöglicht.

Die Atmosphäre? Kaum zu beschreiben

Landshuter Zeitung 24. Oktober 2022 | Text: gu | Foto: © Jens Niering

Hubert von Goisern verzückt sein Publikum in der Sparkassen-Arena

Am Freitagabend durften sich in der nahezu ausverkauften Sparkassen-Arena gut 2400 Zuschauer auf ein weiteres musikalisches Highlight freuen. Veranstalter Christoph Jung vom Männerladen hatte keinen geringeren als Hubert von Goisern mit seiner Band verpflichten können. Schon weit vor Veranstaltungsbeginn war die Halle voll und das angereiste Publikum sichtlich voller Vorfreude.

Auch Hubert von Goiserns Tourneeplanungen hatten unter der Corona-Pandemie gelitten, denn diese sollte bereits 2020 über die Bühne gehen. Ursprünglich "Hubert von Goisern-Tour 2020" betitelt, darf man sie 2022 guten Gewissens Zeiten und Zeichen-Tour nennen, was auch gut zum zwischen Ende 2019 und Februar 2020 entstandenen gleichnamigen Album passt. Das neue Album war dann auch der musikalische Schwerpunkt des Abends.

An Schluss zieht er nochmal alle Register

Hubert von Goisern, 1952 in Bad Goisern am Hallstättersee als Hubert Achleitner geboren, dürfte mit seiner Mischung aus Rockmusik und traditioneller Volksmusik einer der wichtigsten Vertreter des sogenannten "Alpenrock" sein – vielleicht sogar der wichtigste. Seine Qualitäten als exzellenter Liedermacher und Weltmusiker, unter anderem durch Auftritte und Aufnahmen in Afrika und in Tibet dokumentiert, beweist er seit den 1980er Jahren – damals noch mit den legendären Alpinkatzen. Und diese Qualität wurde am Freitagabend eindrucksvoll untermauert.

Schon die bloße Bühnenpräsenz des Oberösterreichers reichte aus, um die Stimmung in der Halle hochzufahren. Aber was das Sextett dann auf die Bühne zauberte, war Ausdruck erstklassigen Songwritings gepaart mit virtuoser Spielkunst und ausgelassener Spielfreude, was sich vom Eröffnungsstück A Tag wie heut bis zum Ende des Auftritts wie ein roter Faden durch den Abend zog. Von stimmungsvoller Licht- und hervorragend ausgesteuerter Tontechnik unterstützt, erwies sich das neue Album als Volltreffer. Stücke wie Eiweiß und Grönlandhai, entstanden bei Aufenthalten von Goiserns in Grönland und die Auswirkungen des Klimawandels aufzeigend, aber auch Future Memories oder Meiner Seel erwiesen sich als tiefgründige und inhaltsschwere Auskopplungen eines insgesamt hervorragenden Werkes.

Als Volltreffer erwies sich auch die Auswahl der Bandmitglieder, allen voran Maria Moling, die mit ihrer Stimme, aber auch ihrer Percussion immer wieder für geradezu mystische Momente sorgte.

Zeremonienmeister Hubert von Goisern indes führte durch den Abend, erklärte Hintergründe zur Entstehung der einzelnen Stücke, war bester Laune und fesselte die Zuhörerschaft mit seiner sympathisch-publikumsnahen Art. Dass die Band nicht umhin kam, die lautstark geforderten und von Standing Ovations begleiteten Zugaben zu spielen, verstand sich von selbst. Die Atmosphäre, die dabei aufkam, ist kaum zu beschreiben. Mit Weit, weit weg – die zweite Strophe von Maria Moling überwältigend gesungen – und Heast as net zog der Weltmusiker zum Schluss nochmals alle Register und hinterließ eine Halle zwischen Verzückung und Tränen der Rührung.

Hubert von Goisern am Puls der Zeit

Volksblatt 9. Oktober 2022 | Text: Monika Kühne | Foto: © Michael Zanghellini
Hubert von Goisern

Als musikalischer Tausendsassa präsentierte Hubert von Goisern am Freitag im ausverkauften SAL sein neues Album "Zeiten & Zeichen". Der Freigeist rockte, rappte, sang und jodelte: wuchtig-laut, rührend-zart, ironisch-verdeckt und schmerzend-offen.

Der vor Beginn des zweieinhalbstündigen Konzerts ausgegebenen Gehörschutz liess vermuten, dass es mitunter auch laut werden würde. Bereits seit zwei Jahren war das Gastspiel von Hubert von Goisern mit der Vorstellung seines bereits 2019 beendeten Albums Zeiten & Zeichen vom TAK angekündigt. Wie prophetisch dieses Werk insgesamt sein würde, zeigte sich bereits kurz nach Erscheinen mit der durch die Covid-Pandemie verhinderte Tour, die 2020 starten sollte. Doch nun war der aus Bad Goisern stammende Hubert von Goisern (Ö), eigentlich Hubert Achleitner, endlich in Liechtenstein zu Gast. Wer sich schwärmerischen Alpengesang erwartet hatte, lag falsch, auch wenn der Abend mit einem gemütlichen Ländler begann. Der von zahlreichen Ländern und Kulturen beeinflusste Freigeist lebt Diversität in seiner Musik aus. Mit einer Art Ausatmen der von ihm gespielten Ziehharmonika schlugen der Musiker und seine fulminante Band mit A Tag wie heut bereits eine härtere, rockigere Gangart ein, um im dritten Stück das Ruder wieder vollends herum zu reissen. El Ektro machte seinem Namen alle Ehre: Technobeats im Stil der 1990er-Jahre. Ein an den Synthesizern sich austobender Pianist Alessandro Trebo, Helmut Schartlmüller am Bass, Drummer Alex Pohn und Gitarrist Severin Trogbacher. Die Stimme Goiserns wurde mittels moderner Autotune-Effekte zu Botschaften verdüstert: "Ich kann auch ohne Pillen chillen".

Melodien und Geschichten

Seinen Schaffensprozess, an dessen Beginn immer die Melodie stehe, skizzierte der Musiker am Beispiel der sanft-rockigen Liebesballade Dunkelblau mit einem genialen Slide-Solo des Gitarristen, der in weiteren Werken auch zur Geige griff. Die Musik erzähle Hubert von Goisern die Geschichten und normalerweise spiele er seiner Frau die Lieder erst vor, wenn er auch den Text habe. Hier sei es umgekehrt gewesen und er habe ihr erst den Text vorgelesen und dann die Melodie dazu gespielt. Enttäuscht habe sie geantwortet: "Schod". Zu düster schien ihr die Melodie zum Text. Er verfasste einen neuen und spielte die Urvariante Dunkelrot schliesslich als letzte Zugabe. Der Weltenbummler setzte sich in den Songs Eiweiss und Grönlandhai ironisch verpackt mit den fatalen Auswirkungen der Erderwärmung auseinander. Ein Eisbär, der auf veganes Fressen pfeift, lud in karibischem Sound gespielt zum Mittanzen ein – was dem überwiegend stehenden Publikum auch sichtlich in die Beine fuhr. Den Grönlandhai, der vom Urlaub in Hawaii träumt, legten die Musiker mit Ocean-Drum und allerlei Percussion als wunderbar melancholisches Chanson an. Hubert von Goisern sang bedacht, griff zwischendurch zur Trompete, in späteren Liedern auch zum Flügelhorn, zur Mundharmonika und zur Akustikgitarre.

Jodler, Chansons, Rammstein

In dem sehr nahegehenden Jodler für Willi verabschiedete sich der Künstler von seinem verstorbenen Freund, dem Wissenschaftler Willi Foissner. Politische Stellung gegen die rechte Gesinnung bezog die Band zunächst in Brauner Reiter, hart vorgetragen im Stil Rammsteins. Für Gänsehaut sorgte das Totentanz-Werk Freunde. Franz Lehár, der bei allen führenden Nazis beliebt war, griff nicht ein, als sein jüdischer Librettist Fritz Löhner-Beda ins KZ deportiert und ermordet wurde. Spannungsvoll wurden Rap-Einlagen mit Operetteneinspielungen gemischt: "Das Leben ist schön, so schön…". Ein Drum-Solo leitete das Stück Sünder ein, die gelungene Hommage an den von Nina Simone gesungenen Gospel Sinnerman (1963). Vor rotem Hintergrund steigerte sich das Werk und stellte zunehmend drängende, existenzielle Fragen: "Koana woass wann wieder oana durchdrah't". Die durchdringende Dynamik der Musiker um den 69-jährigen Frontmann übertrug sich zunehmend auf das Publikum vor der imposanten Bühne mit perfekt abgestimmter Lichtshow. Als Zugaben durften Klassiker wie Weit, weit, weg oder Heast as nit aus den Anfängen Hubert von Goiserns mit den Alpinkatzen zum Mitsingen nicht fehlen. Das Konzert setzte definitiv "Zeit-Zeichen".

Hubert von Goisern - Live in Berlin

27 September 2022 | Fotos: © Sarah Marchant

Manchmal todernst

HAZ 21. September 2022 | Text: Frank Kurzhals | Foto: © Katrin Kutter

Hubert von Goisern hat den Alpenrock mitgestaltet, aber er verzichtet auf die ständige Wiederholung seiner Hits. Im Theater am Aegi präsentierte er ein neues Programm, das durchaus morbide Züge trägt.

Hubert von Goisern in HannoverHannover. Am Anfang wirkte die Warnung noch etwas rätselhaft. "Habt ihr auch alle das Kleingedruckte gelesen", fragte Hubert von Goisern sein Publikum im nahezu ausverkauften Aegi. Dann klärte es sich auf. Er hatte vor, sein jüngstes Album vorzustellen und eben nicht seine altbekannten und wohl auch von vielen erwarteten geradezu ikonischen Lieder. Schnell stellte sich heraus, dass die Warnung ein verheißungsvolles Versprechen war: Hubert von Goisern hat sich wieder mal neu erfunden.

Mit seinen knapp 70 Jahren wirkte der Liedermacher kein bisschen älter als seine junge und höchst virtuose Band. Dass er eine neue Kategorie in der Musikgeschichte erfolgreich mitgestaltet hat, den Alpenrock, bringt ihn nicht zur ständigen Wiederholung seiner musikalischen Großtat. Stattdessen experimentiert Goisern mit großer Freude und dem Wagnis, dass musikalisches Neuland auch Risiken birgt. Das Publikum könnte vielleicht auch nicht mitgehen. Im Aegi war das aber kein Thema, alle waren begeistert, schon vor den ersten Tönen gab es heftigen Applaus.

"Ich kann auch ohne Pillen chillen"

Mit intelligenten Texten, viel Selbstironie und Humor, changierend zwischen bitter und süß, verzauberte Goisern sein Publikum. Balladen und Chansons, mal mit Hitanklängen, mal mit rockigem Sound, meist melancholisch überhaucht, ließen die zwei Konzertstunden zu einem Erlebnis werden. Dass der neue Goisern keiner zum dauernden Mitklatschen ist, wurde jedem, zumindest so nach und nach, klar. Mal dialektal gefärbt, mal hochdeutsch reimte der Österreicher mit einem Hang zum Surrealen ("Ich kann auch ohne Pillen chillen") oder wurde todernst, als es um Franz Lehár, den mit der Operette Die lustige Witwe, und dessen Librettisten Fritz Löhner-Beda ging. Bei Goisern reimt sich dann sarkastisch Franz auf Totentanz und Fritz auf Auschwitz, weil Franz Lehár die Deportation seines Freundes nach Auschwitz nicht verhindern wollte.

Lebensgefühl mit morbiden Zügen

Wenn der gereifte Goisern mit karibischem Sound und einem Eisbären in Grönland den Klimawandel inszeniert, dann wird klar, dass er eine politische Botschaft hat, die er in Hannover vortrefflich mit Maria Moling (Gesang, Percussion), Alex Pohn (Schlagzeug), Helmut Schartlmüller (Bass) und Severin Trogbacher (Gitarre) zum Schwingen und Rocken brachte.

Mit kleinen Geschichten leitete der Multiinstrumentalist von Song zu Song, spricht vom Cover der 2020 veröffentlichten Einspielung, eine Ruine, die zu einer heiß abgerissenen Brauerei gehört, und vermittelt ein Lebensgefühl, das durchaus morbide Züge hat. Sein österreichischer Kollege im Geiste, Georg Kreisler, lässt aus der Ferne grüßen. Zum Schluss, als letzte Zugabe, kommt dann ein wunderbares Liebeslied, Dunkelrot. Und auch das bis dahin geradezu euphorische Publikum wird wieder ruhiger. Es war ein schöner und berührender Abend. Hätte die Technik die Stimmen und Instrumente besser ausgesteuert, wäre es sogar ein großer Abend gewesen.

Hubert von Goisern rockt und zaubert in Stuttgart

Stuttgarter Zeitung 4. September 2022 | Text: Thomas Morawitzky | Foto: © Lichtgut/Ferdinando Iannone

Hubert von Goisern will mit Operette, Spott und ganz viel Gefühl sein Publikum begeistern. Aber ist ihm das beim Konzert in der Stuttgarter Liederhalle auch gelungen?

Er schwingt sich erst ein bisschen ein, volkstümlich, gemütvoll, und seine Band schwingt mit ihm. Er tanzt über die Bühne, das weit auseinanderfließende Akkordeon in Händen. Dann plötzlich: Ein schwerer Gitarrenakkord – und die Folklore wird zum Alpenrock. Hubert von Goisern ist in Stuttgart, am Freitagabend, spielt in der Liederhalle, in der nahezu ausverkauften Liederhalle.

Jodeln im Duett

Im November wird er seinen siebzigsten Geburtstag feiern, seit mehr als vierzig Jahren spielt er neue Volksmusik. Hubert von Goisern erkundete die Welt, beschäftigte sich mit musikalischen Traditionen und Instrumenten, die er in Afrika, den USA, den Philippinen oder in Tibet kennenlernte. Auf der Donau reiste er quer durch Europa. Mit dabei war die Tiroler Gruppe Ganes, zu der auch Maria Moling gehörte. Sie begleitet Hubert von Goisern nun bei seinen Konzerten, spielt Percussion, Marimba, das Theremin, die Gitarre, und sie steht schließlich auch am Mikrofon, singt und jodelt wunderbar im Duett mit Hubert von Goisern.

Der schickt sein Publikum an diesem Abend auf eine weitere erstaunliche Reise, in der die unterschiedlichsten Stile und Emotionen dicht beieinander ihren Platz finden. Mit der Veröffentlichung seines jüngsten Albums hat sich Hubert von Goisern Zeit gelassen. Zeiten und Zeichen erschien im September 2020, fünf Jahre nach dem Vorgängeralbum Federn. Die neueren Titel bestimmen den größten Teil des Konzertes – "Des basst scho", sagt der Künstler. "I halt des aus, und ihr au." Viel elektronischen Klang hört man; bissige Zeitkritik und ein seltsamer Humor befruchten sich. Hubert von Goisern berichtet von einer Reise nach Grönland, bei der er keinen Eisbären sichtete. Nun singt er, in karibischem Ton, mit Ukulele, vom Eisbären, der nach Eiweiß sucht – sein Kommentar zum Klimawandel.

Schrecklich-schöner Franz Lehár

Ein kleines Meisterwerk des österreichischen Weltreisenden, auch auf der Bühne, ist ein Stück, das Freunde heißt und Operettensamples mit Rap-Einlagen mischt. Es erzählt vom Erfolgskomponisten Franz Lehár, der zu Beginn des vorigen Jahrhunderts die schönsten Operetten schrieb, beliebt bei allen führenden Nazis war und nicht eingriff, als sein jüdischer Librettist Fritz Löhner-Beda deportiert und ermordet wurde: "Das Leben ist schön, so schön."

Neben Maria Moling, die im grünen Kleid über die Bühne wirbelt, gehören Severin Trogbacher als Gitarrist und Geiger, Alex Trebo an den Keyboards, Helmut Schartlmüller am Bass und Alex Pohn am Schlagzeug zur Band; auch Roadie Hannes hat einen kurzen Auftritt als Sprechsänger. Hubert von Goisern spielt Akkordeon, Trompete, Flügelhorn, jodelt, singt mit markanter Stimme, erzählt seine Geschichten.

Die Jungen werden alt, und die Alten sind gestorben

Und ehe er sich, spät an diesem fabelhaften Abend, alleine mit akustischer Gitarre auf die Bühne setzt und ein letztes Lied beginnt, singt er mit seiner Band auch einige sehr alte, schöne Stücke – Weit weit weg, das er schon 1992 mit den Original Alpinkatzen aufnahm, und Heast es nit, aus dem selben Jahr: "Heast es nit, wie die Zeit vergeht? Die Jungen san alt wordn, und die Altn san g'storbn." Leise schwebt ein Jodler in der Liederhalle, klingt lange nach.

Wie Hubert von Goisern den Mannheimer Rosengarten von den Stühlen reißt

Mannheimer Morgen | 2. September 2022 | Text: Jörg-Peter Klotz

Hubert von Goisern begeistert mit seiner exzellenten Band und seinem jüngsten, fast prophetischen Album "Zeiten & Zeichen" im ausverkauften Mozartsaal des Mannheimer Rosengartens

Der Anblick eines vollen Mozartsaals im Mannheimer Rosengarten ist selten geworden seit Pandemiebeginn. Dass selbst ein Hubert von Goisern (HvG) ihn restlos füllt, ist längst noch keine Selbstverständlichkeit. Aber das gelingt dem 69-jährigen Österreicher mit seiner exzellenten Band genau so spielerisch leicht wie er seine Fans am Ende des Konzerts von den Stühlen holt. Der antikapitalistische Uptempo-Alpinrocker Brenna tuats guat aus dem Jahr 2011 ist längst sein populärstes Lied geworden und lässt das Publikum aus fast durchweg höheren Semestern komplett ausrasten. Alle stehen, tanzen, singen, klatschen - es herrscht ausgelassener Ausnahmezustand.

Dabei ist das mehr als zweieinhalbstündige Konzert durchaus eine Herausforderung - und zwar eine wunderbare. Denn bei von Goisern kann einem musikalisch so ziemlich alles begegnen. Die Ingredienzen alpiner Musik rund um sein ikonisches Akkordeon und Jodeln sind beinahe eine Randerscheinung. Schon beim dritten Lied El Elektro wird die Stimme zeitgemäß verzerrt und effektsatt gerappt - die Band liefert dazu einen Electro-Beat wie Lambchop auf Speed. Ansonsten stammt das Spektrum an stilistischen Inspirationen wie gewohnt aus allerlei Weltmusikstilen, dazu kommen Anleihen bei Nina Simone, Rammstein, Operette, Calypso, Jazz, Rock und neuerdings gibt es sogar Balladen, die wie aus dem American Songbook gepickt klingen - und Hochdeutsch. Herausragend umgesetzt wird das von Gitarrist und Geiger Severin Trogbacher, Schlagzeuger Alexander Pohn, Bassist Helmut Schartlmüller und Arrangeur Alex Trebo am Keyboard - sowie als prima inter pares Maria Moling, die frühere Ganes-Multiinstrumentalistin beeindruckt als Percussionistin, an Vibrafon und Theremin, singt hervorragend und kann auch noch jodeln. Großartig. Wobei das Jodeln bei von Goisern nichts mit dem Grauen der deutschen Volksmusiksendungen von anno Schnee zu tun hat. Es wird entweder eingesetzt wie ein Instrument oder wirkt urtümlich emotional, etwa um Trauer auszudrücken (Jodler für Willi).

Alles gipfelt in "Brenna tuats guat"

Auch von Goisern zeigt sich variabel, neben Akkordeon und Gitarren spielt er Trompete, Mundharmonika und allerlei Flöten. Das Großaufgebot an Instrumenten ist kein Selbstzweck, sondern inhaltlich wichtig - ohne die Oceandrum am Theremin hätte die Ulknummer Grönlandhai weder Meeresrauschen noch die zirpende Variante von walartigem Gesang. Dass ein Exemplar dieser altehrwürdigen Spezies, die normalerweise unbemerkt in der Tiefe und Kälte lebt, kürzlich in der Karibik gesichtet wurde, ist nur ein Zeichen, wie verworren ernst die Lage in unserer Zeit ist.

Dass HvG inhaltlich die Stimmung der von Krieg und Pandemie bestimmten jüngsten zweieinhalb Jahre auf seinem 2019 geschriebenen Album Zeiten & Zeichen fast prophetisch vorweggenommen hat, erklärt er mehrfach - und wirkt dabei immer noch verblüfft. Zumal er diese mehrfach verschobene Tournee 2019 noch Sicher nicht sicher nennen wollte. Das aktuelle Album dominiert mit großartigen Liedern wie das knallharte Brauner Reiter, das auf zehn irrwitzig groovende Minuten ausgedehnte Sünder, das karibisch beschwingte Eiweiß, das wie gegen Querdenker geschriebene Meiner Seel' oder die bedrückende epische Holocaust-Moritat Freunde ergeben inhaltlich wie musikalisch eine spektakuläre Mixtur. Das alles gipfelt in Brenna tuats guat. Und einer sehr ruhigen Zugabe mit den Balladenklassikern Weit, weit weg mit Publikumschor, Heast as nit und Dunkelrot.

Techno, Rap und Alpenglühen

Rheinpfalz 1. September 2022 | Text: Gereon Hoffmann | Foto: © Moray

Selbst sein Management hat sich schon übers Publikum gewundert, weil das mitmacht, ganz gleich, was Hubert von Goisern bei seinen Konzerten für Überraschungen bereithält. Im Mannheimer Rosengarten war das nicht anders.

Hubert von Goisern in MannheimMit der steirischen Ziehharmonika ging der Abend los. Ein Ländler im Dreiviertel-Takt. Damit fing alles an, aber der junge Hubert Achleitner aus Bad Goisern wollte halt nicht einfach bei dieser traditionellen Musik aus seiner Heimat stehenbleiben. Und auch im Rosengarten nimmt die Geschichte dann eine andere Wendung, als die Band nach und nach einsteigt. Es wird ganz schön rockig.

Nicht umsonst gilt Hubert von Goisern als der Erfinder des Alpinrock, jener Mischung aus Jodeln und Ziehharmonika mit kernigen Schlagzeugrhythmen und fetzigem Gitarren-Brett. So auch bei A Tag wie heut vom aktuellen Album Zeiten & Zeichen. Das neue Stück kommt gut an, soweit man das beim Blick auf das sitzende Publikum feststellen kann. Doch da hat man sich grad eingegroovt, schlägt der Hubert einen Haken: "Ich will nicht tanzen", spricht er und – oh Graus! – seine Stimme wird mit diesem neumodischen Autotune-Effekt verändert, ein Techno-Beat pumpert los, Synthesizer blubbern. El Ektro heißt das Stück, auch vom neuen Album.

Richtig tolle Band

Zum Höhepunkt wird dann von Goiserns Stimme, die geschmeidig jodeln kann, durch dieses Autotune gewaltsam auf Tonsprünge zerhackt. Natürlich ist das Ganze in Wahrheit eine Parodie. Und Achleitner wäre nicht er, wenn da nicht noch ein paar Finessen drin wären. So sind Schlagzeug und Marimba eben nicht aus der digitalen Dose, sondern live gespielt von Drummer Alexander Pohn und Perkussionistin Maria Moling, die später auch wunderbar singt und jodelt. Überhaupt hat der Hubert eine richtig tolle Band um sich geschart: Severin Trogbacher spielt nicht nur diverse Gitarren, sondern auch Ukulele und Bratsche. Helmut Schartlmüller spielt stets den passenden Bass und Alex Trebo, Co-Produzent des Albums und Arrangeur für die Tour, hat an den Tasten alle Sounds von Klavier bis zu abgefahrenen Soundeffekten.

Der Meister selbst, spielt im Lauf des Abends neben der Ziehharmonika noch Trompete, Flügelhorn und Flöte. Oder er jodelt mal ganz alleine: Den Jodler für Willi hat er einem Freund gewidmet. Willi Foissner war ein Wissenschaftler, der Einzeller erforschte. Und er bat von Goisern, ihm von seinen Reisen immer Bodenproben mitzubringen. In einer Probe habe er eine bislang unentdeckte Lebensform gefunden, die jetzt Rigidotrix Goiseri heißt. Solche private Geschichten bringen den Menschen auf der Bühne nahe. Aber Hubert von Goisern war auch immer schon jemand, der Stellung bezieht und sich öffentlich positioniert.

Die Geschichte von Bedrich Löwy erzählt er in Freunde (das Leben ist lebenswert). Löwy war Textdichter für den Operettenkomponist Franz Lehár und Jude. Und Lehár hat geschwiegen, als die Nazis Löwy deportierten und ermordeten, trotz bester Kontakte zu führenden Nazis. "Hosenscheißer" nennt von Goisern ihn. Die Geschichte erzählt er als Rap, das berühmte "Freunde, das Leben ist lebenswert", eine Tenor-Arie aus Lehárs Giuditta wird als Einspieler zitiert.

Nahbar und persönlich

Es ist ein wilder Ritt durch Themen und Stilrichtungen, die Hubert von Goisern seinen Zuhörern bietet – oder zumutet. Aber es ist auch deutlich zu spüren, dass das Konzept funktioniert. "Ich bin erschrocken, als er mit diesem Sprechgesang angefangen hat, weil ich Rap nicht leiden kann. Aber es ging ja dann anders weiter", sagt eine ältere Dame beim Rausgehen. "Dein Publikum ist leidensfähig", habe sein Manager mal erstaunt festgestellt, erzählte Hubert im RHEINPFALZ-Gespräch. Vielleicht ist es aber auch einfach aufgeschlossen. Sicher ist, dass von Goisern wie er sich den Leuten darstellt, das Publikum an sich bindet. Er ist nahbar und persönlich, zeigt sich als Mensch, und das bringt ihm eine Zuneigung, die auch verzeiht, wenn mal etwas nicht dem persönlichen Geschmack entspricht. Das handwerklich hohe Niveau, das immer hörbar ist, trägt ebenfalls zur Wertschätzung bei. Und was die Parodien betrifft: Die kann sich nur leisten, wer wirklich etwas kann.

Am Ende, nach gut zwei Stunden ohne Pause, geht es zurück in die Anfangsjahre mit den Alpinkatzen: Weit weit weg singt das Publikum so gut mit, dass von Goisern selbst nicht mehr singen muss. Die Leute sind alle aufgestanden, es folgt Heast as net, auch einer der frühen Hits. Und ganz zum Schluss, es ist kurz vor halb elf, singt Achleitner zur akustischen Gitarre noch Dunkelrot, eine wunderschöne Liebes-Ballade.

Hubert von Goisern: Alpengewaltig am See

Merkur 28. August 2022 | Text: Susanne Greiner
Hubert von Goisern und Band

Dießen – Der Pfaffenwinkel reicht weit. In ebendiesem Sinne und kulturell offenbar bis an den Ammersee. Diese geographische Aneignung schadet der Marktgemeinde Dießen nicht. Vielmehr verschafft sie ihr ein musikalisches Highlight: das Konzert von Hubert von Goisern, mitten im Grün der Seeanlagen – veranstaltet vom neuen Format "Pfaffenwinkel LIVE". Der Österreicher mit seiner famosen fünfköpfigen Band präsentierte am Samstagabend sein aktuelles Album Zeiten & Zeichen: Lieder im vertrauten Goisern-Alpenrock, mit etwas weniger rauen Ecken, mit etwas mehr Sanftmut. Aber weiterhin politisch: mit dem Widerwillen gegen braunes, in Österreich blaues Gedankengut und einer Nicht-Akzeptanz von Intoleranz. 

Was Open-Air-Konzerte angeht, ist das Publikum inzwischen versiert. Es gibt nur die falsche Kleidung, haben sich auch die über 1.500 Gäste des ausverkauften Goisern-Konzerts gesagt. Und kommen mit Regencapes umhüllt, um die Wasserlachen auf den Stühlen trotzig beiseite zu wischen. Schutz bieten die Bäume entlang der "Fressmeile", von der Frittiergeruch und Stimmengewirr herüberwabert. Um Schlag acht ist das Wabern vorbei: Letzte Tropfen und diverse Begrüßungsjauchzer samt Applaus begleiten Hubert von Goisern und seine fünf Mitspieler auf die Bühne. Der Weltmusiker packt sich das Akkordeon, schleicht sich zünftig in einen Dreier, bevor der Bass und die E-Gitarre den Rhythmus stampfen: "Grüß euch!"

Von Goisern ist da, präsent, holt alle in den Moment. Am Start stehen die beiden Songs A Tag wie heut und El Ektro, Letzteres mit Nonsens-Augenzwinkern im Test, was sich so alles auf "Tanzen" reimt.

Einige Songs des Alpenrock-Gründers drehen sich ums Innere: Dunkelblau, das sich um die Verweigerung der Vereinnahmung durch den Geliebten wendet – auf dem Album begleitet von Dunkelrot, einer "Ich-Version" des Textes, der die Hingabe an das Gegenüber feiert und den Goisern für seine Frau "umgefärbt" hat. Dennoch: Von Goisern lässt sich nichts vorschreiben. Aber freiwillig verschenkt er sich gern mit Haut und Haar.

Neben wabernden Emotionen, die auch mal im Rückgriff auf Goethes Rastlose Liebe schwelgen, sind von Goiserns Texte deutlich politisch. Es geht um den Klimawandel – den der Song Eiweiß mit ätzendem Schalk und hungrigem Eisbären aufnimmt. Erfahren hat ihn Goi­sern in Grönland, eines der vielen Länder, die der Weltmusiker bereist und in denen er Projekte für und vor allem mit den Bewohnern gestartet hat. Zum Beispiel in Assiut, wo er 2002 darauf drängt, gemeinsam mit Mohamed Mounir zu spielen.

"Blödheit nur ein Privileg?"

Die FPÖ wird weiterhin auf die Musik von Goisern verzichten müssen – es sei denn, HC Strache mag es unterm Deckmantel seines neuen Teams noch einmal versuchen. Vielleicht ja mit Brauner Reiter, in dem Goisern dem müden Reiter empfiehlt, seinen Traum vom Urgermanen und auserwählten Volk ad acta zu legen – und lieber mit ihm gemeinsam neue Lieder zu singen.

Von Goiserns Texte gehen an Herz und Nieren. Weil Goisern keinen Abstand will. Ein Jodler zu Ehren seines verstorbenen Freundes ist Intro zu Freunde, "die Geschichte von Bedrich Löwy", Mit-Musiker von Lehár, der, als es drauf ankommt und der Jude Löwy nach Auschwitz kommt, zu "Franz der Hosenscheißer" wird. Oder der Song Sünder, der in seiner Dringlichkeit Angst spürbar macht.

Daneben steht von Goiserns derber Charme, mit dem er in Meiner See" den Verschwörungstheoretikern die Leviten liest: Vielleicht "ist Blödheit nur ein Privileg". Ein Charme, mit dem er auch den plaudernden Gästen in vorderster Reihe sagt, wie sehr es ihn freut, dass sie miteinander reden. "Aber mich stört's. Wenn ihr reden wollt, geht nach hinten." Das Publikum applaudiert.

Überhaupt das Publikum. Das haben Multiinstrumentalist von Goisern und Band ganz nah bei sich. Mit Geschichten vom Grönlandhai auf Karibik-Urlaub, hawaiianisch untermalt von Saitenvirtuose Severin Trogbachers Ukulele, die er bei dem Lied statt Bratsche, Mandoline, Geige oder Gitarre in der Hand hat. Alexander Pohn sorgt für treibenden Rhythmus, Helmut Schartlmüller für ebensolchen Bass und Alex Trebo, bei Zeiten & Zeichen Co-Produzent und Arrangeur, holt aus den Tasten vom Belcanto bis zum Jaulen alles. Herausragend ist Percussionistin und Sängerin Maria Moling, früher bei Ganes. Sie beherrscht auch das Instrument, das man nicht berührt, das Theremin. Und imitiert mit Schartlmüller beim Grönlandhai im Tanz mit einer musikalischen Scheibe den Walgesang.

Mitsingen ist am Ende dran. Brenna tuats guat von 2011 schließt das offizielle Programm mit tanzendem Publikum, die Zugabe Neuer Tag erinnert zweisprachig an das Konzert mit Mounir. Weit, weit weg ist die erste Reminiszenz an von Goiserns Reise mit den Alpinkatzen, 1994 aus und vorbei. Auch das Schlaflied Spät kommt aus dieser Zeit. Das Publikum ist aber nach gut zwei Stunden nicht müde. Und wird belohnt: mit von Goiserns Hit Heast as nit und dem für seine Frau vom Blauen ins Dunkelrot Gefärbte, solo mit Gitarre. Musik, die nahegeht. Ein Geschenk für über 3.000 Ohren am See.

"In meinem Kopf läuft immer Musik"

Rheinpfalz 31. August 2022 | Text: Gereon Hoffmann

Mit "Koa Hiatamadl" hatte der Erfinder des Alpin-Rock vor 30 Jahren seinen ersten großen Hit. Jetzt ist Hubert von Goisern wieder auf Tour und kommt am Mittwoch nach Mannheim. Gereon Hoffmann sprach mit dem 69-Jährigen über traditionelle Musik und Beifall von der falschen Seite.

Herr Achleitner, auf dem Album Zeichen & Zeiten sind sehr verschiedene Themen, Klänge und Grooves. Warum ist das so bunt geworden?

So bunt ist mein Leben. Ich hatte mir da kein bestimmtes Motto vorgenommen, im Unterschied zu manchen früheren Projekten. Ich hatte irgendwann 40 Ideen und dann bin ich ins Studio gegangen und haben dran gearbeitet. Ich wollte mir keine Schranken auferlegen.

Diese künstlerische Freiheit muss man erst mal haben?

Die habe ich mir genommen. Nur bei meiner ersten Platte, (Alpine Lawine, 1988, Anm. d. Red.) gab es noch einen Produzenten, der mir gesagt hat "das und das funktioniert nicht". Wenn ich dann gesagt habe, dass ich es aber eigentlich so will, hat er einfach gesagt, dass er schon 20 Platten gemacht hat und weiß, wie's geht. Aber am Ende lief es halt nicht. Die Platte wurde ein Reinfall.

Ab da haben sie die Sache selber in die Hand genommen?

Ja, weil ich überzeugt bin, dass niemand wirklich weiß, ob eine Platte gut läuft oder nicht. Und lieber falle ich selber auf die Fresse. Die nächsten Platte (Aufgeigen statt niederschiassen, 1992) habe ich dann selber produziert und sie fertiggestellt den Plattenfirmen angeboten.

Und das lief?

Es war schwierig, weil alle gesagt haben, dass ich zwischen allen Stühlen sitze. Es hat zwei Jahre gedauert, bis jemand die Platte übernommen hat.

Von ihrem größten Hit, Koa Hiatamadl hätten Sie auch nicht geglaubt, dass der so erfolgreich wird?

Wenn ich meine Musik mache, denke ich nicht darüber nach, ob etwas ein Hit wird.

Sie lassen sich zwischen ihren Platten viel Zeit. Braucht es einen Anruf der Plattenfirma, dass Sie komponieren?

Ich bin eigentlich immer produktiv, und in meinem Kopf läuft immer Musik. Das merke ich schon gar nicht mehr. Wenn ich mit der Familie unterwegs bin, sagen die manchmal "du summst wieder". Aber ich glaube, das geht allen Komponisten so. Ich notiere mir dann die Ideen und lege sie in eine Schublade.

Das erklärt, warum die Stücke so unterschiedlich klingen, weil ihre Ideen zu verschiedenen Zeiten und unter den jeweiligen Umständen entstehen?

Ganz genau. Dann gehe ich ins Studio und schaue alles durch. Vieles schmeiß ich auch weg, wenn es nach nichts klingt.

Stimmt es, dass sie die Ziehharmonika, die ihnen ihr Großvater geschenkt hat, zuerst gehasst haben?

Ja, es gab einen Konflikt zwischen mir und der traditionellen Musik. Ich wollte den Knoten lösen. Aber das habe ich dann, wie Alexander beim Gordischen Knoten, mit dem Schwert gemacht.

Das heißt?

Ich war viel auf Reisen und die traditionelle Musik vieler Völker hat mich immer berührt. Man spürt da etwas, das über Generationen und Zeiten hinweg reicht, man spürt das Leben dieser Menschen unmittelbar. Und ich habe mich gefragt, warum das mit unserer Tradition nicht funktioniert.

Weil wir Nazis hatten, die uns unsere Tradition gestohlen haben?

Ja! Aber das kann's doch nicht gewesen sein. Und dann kam später sowas wie der Musikantenstadel, was ich auch furchtbar finde. Deshalb wollte ich zurück zu den Wurzeln und habe mich mit der echten Volksmusik auseinandergesetzt.

Aber Sie haben sie nicht im traditionellen Stil gespielt?

Nein, und die Traditionalisten haben mich deswegen gehasst. Und die Linken haben mich gehasst, weil ich Ziehharmonika spiele und was mit Tradition mache. Aber die Leute haben mich geliebt.

Aber haben Sie nicht auch Beifall von der falschen Seite bekommen?

Ja. Als ich die ersten großen Konzerte spielte, hatte gerade der Jörg Haider seine große Zeit. Ich hab mich so geschämt, dass der aus dem selben Ort wie ich stammt und so krankes Gedankengut verbreitet. Wenn ich aber gemerkt habe, dass Leute aus dieser Richtung auf meine Konzerte kommen und sie für sich nutzen wollen, habe ich sie rausgeschmissen.

Echt?

Ich habe aufgehört zu spielen, die Leute rausgedeutet und gesagt: "Wenn ihr jetzt geht, kriegt ihr euer Geld zurück. In zehn Minuten nicht mehr". Das gab manchmal lange Pausen und mein Management und meine Plattenfirma waren ziemlich nervös deswegen. Ich habe aber klar gesagt: Ich spiele nicht für Idioten.

Sie haben aus Ihren Ansichten nie einen Hehl gemacht – wie ist das heute?

In Deutschland ist alles wunderbar, aber in Österreich kriege ich einen Shitstorm für meine Haltung. Wenn sich jemand nicht impfen lässt, kann ich das akzeptieren, aber Verschwörungstheorien halte ich für blöd. Und vor Gesundheitsämtern demonstrieren und Menschen drangsalieren, wie die Ärztin, die in den Suizid getrieben wurde, das kann nicht sein. Das sind kranke Geister. Ich kriege auch Drohmails und werde manchmal angefeindet.

Vergleichen Sie doch ihre Konzerte heute und am Anfang ihrer Karriere?

Damals der Alpinrock, das war vor 30 Jahren und eine andere Zeit. Heute ist das Spektrum viel größer. Es ist ein Ritt durch viele Stile und eine bunte Welt. Sicher das spannendste Konzert, seit ich angefangen habe.

Hubert von Goisern beschließt den Kultursommer

PNP 29. August 2022 | Text: Ulrike Hölzlwimmer

Zeiten und Zeichen: Unter diesem Motto steht die von vielen Fans lang herbeigesehnte Tour 2022, bei der Hubert von Goisern am Freitagabend auf dem Kapellplatz in Altötting Station gemacht hat. Seit 2016 hatte er eine Bühnenpause eingelegt, in der er nicht nur sein Romandebüt Flüchtig und seine Radiosendung Steilklänge, sondern auch sein neues Album herausgebracht hat. 14 Titel daraus präsentierte er den rund 1700 Konzertbesuchern sowie den "Draufgehern", die es sich auf Bänken, Picknickdecken und in den Cafés und Restaurants außerhalb des offiziellen Bereichs gemütlich gemacht hatten.

Wer vor allem eingängige Balladen und den rockigen Volksmusiksound erwartet hat, mit dem Goisern Anfang der 90er eingeschlagen hat wie eine Bombe, der wird von der überbordenden Experimentierfreude des fast 70-jährigen Individualisten überrascht und auch gefordert. Im Song El Ektro parodiert er dieses Genre mit elektronisch verzerrter Stimme und harten Beats, in Wildschütz gibt es astreinen Hardrock und in Brauner Reiter singt er gegen rechtes Gedankengut an: "Lasst uns neue Lieder singen!"

Auch wenn solche Klänge auf dem Kapellplatz dem einen oder anderen deplatziert erscheinen, so ist die Botschaft hinter Hubert von Goiserns Liedern im Grunde oft eine ur-christliche. Egal welche Hautfarbe, welche Konfession oder politische Einstellung der Mensch hat – letztlich ist jeder gleich. Darum geht es beispielsweise in A Tag wie heut. In Sünder prangert von Goisern dagegen die Versündigung der Menschheit an der Schöpfung an, in Freunde die Menschenverachtung des Nationalsozialismus.

Politisch, ironisch und poetisch ist dieser Weltenbummler Hubert Achleitner, wie er mit bürgerlichem Namen heißt. Wie eine Urgewalt bricht es aus ihm heraus, wenn er die Bühne betritt. Und so nimmt er auch das Altöttinger Publikum mit auf eine Reise durch alle Elemente, von den erdigen Jodlern seiner Goiserner Heimat (Jodler für Willi) in die Tiefen des arktischen Meeres (Grönlandhai), durch das apokalyptische Feuer in Brenna tuats guat bis in luftig-philosophische Höhen (Dunkelblau).

Da passt es nur zu gut, dass er davor einer jungen Musikerin die Bühne überlässt, die ebenso einfallsreich, experimentierfreudig und erdverbunden ist: Alex Cumfe aus Kirchdorf am Inn. Sie bereist Wälder in allen Teilen der Erde, um dort Naturgeräusche aufzunehmen, aus denen sie die Lieder für ihr Projekt Her Tree erschafft. Das Publikum wird eingebunden, die Männer in ganz besonderer Mission: Um die Geräuschkulisse des brasilianischen Urwaldes zu imitieren, müssen sie den Affen geben – sie lassen sich nicht zwei mal bitten und geben ihr Bestes.

Das tun sie auch im letzten Teil des Konzerts, als Goisern das erste allen bekannte Lied anstimmt. Wie auf ein unsichtbares Zeichen hin erhebt sich die Menge und übernimmt textsicher den Refrain des Megahits von 2011 Brenna tuats guat. Auch während der Hymnen Weit weit weg, Spat und Heast as nit ist das Publikum in seinem Element und fordert eine weitere Zugabe, nachdem der Star seine Anerkennung für die Band zum Ausdruck gebracht hat: Mit Maria Moling (Percussion, Gesang), langjährige Weggefährtin Goiserns und manchem bekannt aus der Band Ganes, Alex Pohn (Schlagzeug), Helmut Schartlmüller (Bass), Alex Trebo (Keyboards) und Severin Trogbacher (Gitarre) hat er großartige Musiker an seiner Seite.

Ganz zum Schluss macht er es wie Landsmann Rainhard Fendrich, der am Abend davor die Altöttinger begeistert hat: Allein, nur mit Gitarre, betritt er noch einmal die Bühne und singt Dunkelrot, ein Liebeslied. Warm. Sanft. Ruhig. Wie ein See im Salzkammergut, in dem die rote Sonne versinkt, nachdem der Sturm sich gelegt hat.

Hubert von Goisern zu Gast bei der Abendschau

ORF 23. August 2022

Eindrucksvolles "Hoamspü" von Hubert von Goisern

APA 20. August 2022

Sechs Jahre hat es gedauert – auch Pandemie-bedingt – bis Hubert von Goisern 2022 endlich wieder auf einer Bühne steht. Am Freitagabend spielte der 69-Jährige auf Burg Clam ein vielumjubeltes Open Air-Konzert im Rahmen seiner nach dem aktuellen Album benannten Zeiten und Zeichen-Tour – zweieinhalb Stunden mit viel Neuem und viel Altem, der erwarteten Riesenportion alpiner Urgewalt, aber auch Wehmut, Sensibilität und Intensität.

Überschattet war der Abend zunächst von lange drohenden Unwettern. Doch die Burg Clam im südlichen Mostviertel (OÖ) blieb schlussendlich verschont und Hubert von Goisern und seine Fans konnten völlig unbehelligt von Wetterunbillen ein "Haomspü" genießen, was Hubert von Goisern gleich zur Ansage "Danke fürs Wolkenschieben!" veranlasste. Der erste Teil des Abends war ganz dem 2020 erschienen aktuellen Album Zeiten und Zeichen gewidmet, mit dem rockigen A Tag wia heit gleich zum Start. Das aktuelle Werk hat eine riesige Bandbreite, von gewohnt Kritischem im Alpinrock-Gwandl über zahlreiche stilistische Ausflüge, bisweilen auch an die Ränder von Blödel-Pop und Parodien.

El Elektro etwa entpuppte sich live als Electronic Beat-Hammerl der Sonderklasse, ist aber eigentlich als komplette Verar…ung dieses Genres gedacht. Auf eine durchaus vom Öko-Gewissen getriebene Erzählung über das Leben der Inuit und die wegen der Erderwärmung permanent kalbenden Gletscher folgte das Lalala-Pop-artige Eiweiß (welches die Eisbären z. B. in Form ihrer menschlichen Opfer permanent suchen…).

Bedrückend treffend war dann der Anti-Rammstein & Co-Song Brauner Reiter, vor allem inhaltlich ebenso die Geschichte des jüdischen Operetten-Autors Fritz Löhner-Beda (u. a. Land des Lächelns, Giuditta, Viktoria und ihr Husar, Die Blume von Hawaii), der wie seine gesamte Familie von den Nazis umgebracht wurde – wovon sein langjähriger Kompositionspartner Franz Lehar nichts bemerkt haben wollte; und diese Geschichte beeindruckend – und völlig unpeinlich – als Rap, das muss man erst einmal hinbekommen.

Letztes – großartiges – Beispiel des "unkonventionellen Hubert von Goisern": Sünder, ebenfalls vom aktuellen Album – quasi die tanzbare Apokalypse. Und natürlich waren auch Corona & Co und vor allem deren gesellschaftlichen Konsequenzen Thema, etwa bei der Einleitung von Meiner Seel, das sich um die mittlerweile weit verbreitete Relativierung/Verleugnung von Fakten und wissenschaftlichen Erkenntnissen dreht. Der eindeutigste Satz dazu: "Es gibt nur eine einzige Weltverschwörung, und das ist die der Dummheit."

Am Ende des tollen, langen Abends war dann Brenna tuats guat ein mitreißender Höhepunkt und die Rückkehr zu Alt-Bekanntem zugleich. Bei den Zugaben – vor allem Weit weit weg und Heast as net – drückte Hubert von Goisern dann ganz mächtig aufs Gemüt – Musiker und Publikum verschmolzen zu einer wehmütig-gerührten Einheit. Zu allerletzt setzte er sich allein mit einer Gitarre hin und spielte die neue Ballade Dunkelrot, in Hochdeutsch gesungen. Das wird den zahlreichen Fans des auf das Samstag-Konzert in Tulln (NÖ) folgenden Deutschland-Teils der Tour sicherlich ganz besonders gefallen.

Hubert von Goisern beim "Lieder auf Banz"-Festival

BR 10. August 2022
Hubert von Goisern und Band

Lieder auf Banz anschauen (HvG ab 01:16:40)
Die Show wird am 15.08.22 um 22:45 Uhr im BR Fernsehen ausgestrahlt

Hubert von Goisern Open Air im Kaiserpark Bad Ischl

STV1 2. August 2022

Klagenfurt: Was für eine Nacht!

Klagenfurt am Wörthersee 30. Juli 2022 | Foto: © DerHandler
Hubert von Goisern und Band

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Ein musikalischer Tausendsassa

Kleine Zeitung 31. Juli 2022 | Text: Helmut Christian | Foto: © Markus Traussnig

Nachdenkliche Worte und viele Hits. Hubert von Goisern begeisterte seine Fans bei einem Freiluftkonzert auf dem Neuen Platz in Klagenfurt.

Hubert von Goisern"Klognfuat, griaß eich": In breitestem Kärntner Dialekt begrüßte Hubert von Goisern das Publikum, das sich trotz des anfänglichen Schüttwetters nicht abbringen ließ und sehr zahlreich auf den Neuen Platz geströmt war.

Um dann gleich mit der Nummer A Tag wie heut loszulegen: Sie stammt aus seiner letzten, 2020 erschienenen CD Zeiten und Zeichen, die im Zentrum dieses Open-Air-Konzertes und seiner Tournee stand. Das Album ist von großer Vielfalt und zeigt die ganze künstlerische Bandbreite dieses Ausnahmekünstlers, der vielleicht noch rockiger aber auch nachdenklicher geworden ist: Es ist sehr sozialkritisch, was seine Texte immer schon auszeichnet.

Unglaubliche 69 Jahre ist Goisern alt, aber Alter scheint bei ihm nur eine Zahl zu sein, denn man merkt es ihm bei Weitem nicht an. Weit mehr als die Hälfte seines Lebens steht er auf der Bühne. Und er hat nichts von seinem Elan, seinem Charisma und ganz besonders von seiner Musikalität eingebüßt, wo immer wieder der Jodler, der menschliche Urschrei, als zentrales Element und als sein Markenzeichen auftaucht: Genauso präsentierte sich der Oberösterreicher bei seinem Konzert in Klagenfurt, das eigentlich schon viel früher geplant gewesen war, aber pandemiebedingt verschoben werden musste.

Lang ist es her, dass er auf Tournee ging, zuletzt war er 2015 in Klagenfurt: Ein Weltmusiker, ein Mahner und ein Visionär, der immer seiner Zeit voraus ist und der sich noch nie in irgendeine Schublade stecken ließ. Alle selbst geschriebenen Titel präsentierte er mit seiner mitreißenden, fünfköpfigen Band inklusive der exzellenten Sängerin und Musikerin Maria Moling.

Höhepunkte waren sicher Sünder und Freunde…(das Leben ist lebenswert), eine Rap-Nummer über den im KZ ermordeten Franz-Lehár-Librettisten Fritz Löhner-Beda, oder Jodler für Willi, gewidmet einem verstorbenen Freund.

Vielleicht ist Hubert Achleitner, der weit gereiste Weltenbummler, noch nachdenklicher geworden, was man auch an seiner durchaus kritischen Moderation feststellte, und weil – abgesehen von locker-witzigen Songs wie Eiweiß oder dem Grönlandhai– auch ruhige Balladen zu hören waren.

Zum Finale entfachte er und seine druckvoll, erdig und funkig aufspielende Band noch mit seinem Superhit Brenna tuat's guat große Begeisterung beim Publikum, das er damit von den Sitzen riss und das mittanzte. Zum Schluss luden noch zwei alte Hits – Weit, weit weg und das zarte Heast as net?– die Zuhörer zum Mitsingen ein.

Großer Jubel!

Mit seiner Steirischen Harmonika erobert Hubert von Goisern das ZMF

Badische Zeitung 28. Juli 2022 | Foto: © Michael Bamberger
Alex Trebo, Hubert von Goisern und Severin Trogbacher in Freiburg

Mehr Fotos auf www.badische-zeitung.de

Hubert von Goisern: Elektro, Oper, Rap und Rammstein

Schwäbische 27. Juli 2022 | Text: Anja Lutz | Foto: © Thomas Siedler

Hubert von Goisern in LauchheimBevor Hubert von Goisern mit seinem Konzert auf der Kapfenburg loslegt, lässt er erst einmal die Sitzordnung ändern. Er will nicht, dass die Gäste an Tischen wie in einem Bierzelt sitzen. Denn einen verrenkten Hals "des gspiats tagelang".

Mit A Tag wie heut gehts los, bevor er mit El Elektro elektronische Beats ins Spiel bringt. Das Publikum lässt sich noch nicht so richtig mitreißen. "Ich hoffe, Sie haben das Kleingedruckte gelesen", hat der Künstler noch gesagt, bevor er das Lied anstimmt. Dann gibt der 69-Jährige einen kleinen Einblick in sein künstlerisches Tun. Alle Nummern des neuen Albums Zeiten und Zeichen seien noch vor der Pandemie entstanden, danach hätten sich die Texte plötzlich anders angehört. Zunächst habe er eine Melodie im Kopf, dann kümmere er sich um die Worte dazu, so der Künstler. Gern gehe er in auch die Natur, um ganz bei sich zu sein.

Das bluesige Dunkelblau sei entstanden, nachdem seine Frau einen seiner Liedentwürfe nicht ganz so gelungen fand und er es schließlich umschrieb.

Karibische Klänge gibts in Eiweiß zu hören, dazu eine Anekdote von einer seiner Reisen nach Grönland. "Vui Gegend, wenig Leit, des mog I. Außer i geb a Konzert", so der Österreicher.

Die Musikrichtungen wechselt von Goisern mit beinahe jedem Lied, abwechslungsreicher geht's kaum. Auf die Karibik folgt mit dem Braunen Reiter ein Anti-Rechts-Song mit stampfendem Rythmus, der ganz nach der Band Rammstein klingt. Wie deren Frontmann Till Lindemann gebärdet sich Goisern jetzt auch auf der Bühne. "Das hatte ich mit dem Kleingedruckten gemeint", meint Goisern augenzwinkernd nach dem Song.

Ein Rap, gepaart mit Opern-Elementen ist Freunde. Von Goisern erzählt darin die Geschichte über den Verrat Franz Lehárs an seinem Freund und Texter Fritz Löhner-Beda im Dritten Reich. Löhner-Beda wurde nach Auschwitz deportiert und dort erschlagen.

Nach knapp zwei Stunden ist es vorbei mit dem neuen Album, von Goisern gibt mit dem Wildschütz Räp eine Kostprobe seiner Jodelkünste. Aber die Zuhörer scheinen die ganze Zeit auf einen gewartet zu haben: Bei Brenna tuats guat hält es fast niemanden mehr auf den Bänken.

Das Publikum fordert Zugaben, der Sänger liefert jetzt seine großen Hits: Weit weit weg und Heast as nit. Von Goisern verabschiedet seine Band. Beim letzten Song gehört dem Künstler die Bühne ganz alleine. Dunkelrot heißt das Lied, das er nur mit seiner Gitarre anstimmt. Die Urfassung von Dunkelblau. Und so geht ein lauter Abend voll musikalischer Vielfalt, Gesellschaftskritik, politischer Statements, aber auch viel Gefühl und Humor ganz leise zu Ende.

Hubert von Goisern in Winterbach

Zeltspektakel 27. Juli 2022 | Foto: © Thilo Ortmann
Hubert von Goisern in Winterbach

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